Presseartikel Frankfurter Rundschau vom 4. April 2012 _________________________________________________________________________
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Einweihung des Neubaus der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in Frankfurt
Nach fast 2-jähriger Bauzeit wurde am 31. August 2011 mit zahlreichen Gästen aus Politik, Naturschutzverbänden, -behörden und Industrie der Neubau der Vogelschutzwarte feierlich eingeweiht.
Nach Einführung und Begrüßung der Gäste durch den langjährigen Leiter der VSW, Dr. Klaus Richarz, ging die Hessische Umweltministerin, Frau Staatministerin Lucia Puttrich, in ihrer Ansprache auf die besondere Bedeutung der Vogelschutzwarte bei der Vermittlung des Naturschutzgedankens in der Öffentlichkeit ein und hob dabei vor allem die vielfältigen Arbeitsfelder und erzielten Erfolge dieses Instituts für angewandte Vogelkunde hervor. Weit über die Grenzen des eigentlichen Geschäftsbereichs hinaus wirke die Vogelschutzwarte bei der Klärung ornithologischer Fragestellungen im Hinblick auf Landnutzung/Vogelschutz, dem Einfluss von nachwachsenden Rohstoffen, erneuerbaren Energien oder etwa den Auswirkungen von Freileitungen auf Vögel. Bei letzterem Themenbereich könne die VSW in Frankfurt durchaus als „Marktführer“ bezeichnet werden. Hat sie doch durch mehrjährige Forschungsarbeiten sowie an den anschließenden Entwicklungsarbeiten und Umsetzungskonzepten maßgeblich zur Entschärfung des Konfliktes Vogelanflug an Freileitungen beigetragen.
Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken bezeichnete die Vogelschutzwarte in Frankfurt, als einen unentbehrlichen Ort ornithologischer Kompetenz, der gleichermaßen Anlaufstelle sei für Wissenschaftler, Vogelfreunde, und Ratsuchende. „Vogelschutz bietet unschätzbar wertvolle Chancen, die Menschen anzusprechen und die Themen des Naturschutzes anschaulich zu machen“, so Ulrike Höfken. Das langjährige gemeinsame Engagement der Länder Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland mit der Stadt Frankfurt bezeichnete die Umweltministerin in diesem Zusammenhang als wegweisend für den Vogelschutz und als beispielhaft für die Zusammenarbeit über Landesgrenzen hinweg.
Anlässlich der Veranstaltung wies Ulrike Höfken auch hin auf aktuelle Schwerpunkte im Naturschutzprogramm des Landes Rheinland-Pfalz, Bereiche mit großer Bedeutung auch für den Vogelschutz. Als eine erste zentrale Aufgabe nannte sie die Umsetzung einer Biodiversitätsstrategie auf Basis des nationalen Aktionsprogramms. „Unser Ziel ist es, dem Artenrückgang und der Bedrohung von Lebensräumen durch gezielte Programme und Maßnahmen entgegenzuwirken.“
Als weiteren Punkt führte sie den Erhalt und die Sicherung der rheinland-pfälzischen Natura-2000-Gebiete auf. Hier würden bis zum Ende der Legislaturperiode Bewirtschaftungspläne für alle Natura-2000-Gebiete erstellt und zur Grundlage der Bewirtschaftung gemacht.
Abschließend stellte Frau Architektin Anja Thede die Planung und Baufertigstellung des nach neuesten Energiesparkonzepten errichteten Gebäudes vor. Auch der Artenschutz kam bei der Planung nicht zu kurz. Architektin Anja Thede erläuterte, dass die Fassade eines Gebäudeteils komplett begrünt werde, so dass hier Nistmöglichkeiten und Lebensräume entstehen können. Konzept war auch, dass die großen Fensterflächen nicht nur für angenehm helle Räume sorgen, sondern mit einem Schutz gegen Vogelschlag versehen sind. Spezielle Gläser sowie Beschichtungen machen die Fenster für Vögel sichtbar und die Glasfläche wird als Barriere erkannt.
Michael Gerst, als Leiter des Landesbetriebs HESSEN-FORST auch Bauherr, würdigte bei der Schlüsselübergabe die Planung und Bauausführung des Architekturbüros Anja Thede aus Darmstadt. Die Modernisierung wurde konsequent unter dem Aspekt des vorbildlichen Klimaschutzes umgesetzt. „Wir haben großen Wert darauf gelegt, den Nachhaltigkeitsgedanken in den Mittelpunkt der Umbaumaßnahmen zu rücken“ so Gerst. Daher wurde der Neubau des Mitteltraktes in Holzbauweise errichtet und mit Holzfaserplatten gedämmt. Als Energieträger für die sparsame Heizung können heimische Holzpellets verwendet werden.
Ministerin Puttrich stellt auf dem Hessentag Poster und Postkartenserie zu Weidelandschaften vor
Ministerin Lucia Puttrich (links) mit der GEH-Geschäftsführerin Antje Feldmann und dem Sprecher der Nachhaltigkeits-Projektgruppe Gerd Bauschmann bei der Vorstellung des Posters.
Achtzehn zukunftsweisende Projekte werden derzeit umgesetzt, die meisten aus dem Bereich Energie/Klimaschutz.
Das Projekt „Artenvielfalt in Hessen - auf Acker, Wiesen und in Gärten“ wurde von der Abteilung Landwirtschaft des HMUELV initiiert und basiert auf vier Säulen. Neben anderen Akteuren ist auch die Vogelschutzwarte daran beteiligt. So wird in der Projektsäule „Grünland und Weiden: Augenweiden in Hessen“ die Etablierung und Förderung von Weideverbundsystemen angestrebt, die – teilweise in Kulissen von EU-Vogelschutzgebieten – auch die Verbesserung der Situation der Wiesenvögel zum Ziel haben. In der Projektsäule „Obst- und Gemüsegarten Hessen“ geht es nicht nur um die Erhaltung und Vermehrung alter Obstsorten um ihrer selbst willen, sondern auch um die Verbesserung des typisch hessischen Lebensraums Obstwiese für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt, insbesondere für die Streuobstvögel. In der Projektsäule „Vielfalt in Fruchtfolgen im Ackerbau“ schließlich wird derzeit von der Vogelschutzwarte gemeinsam mit Verbandsvertretern und Fachornithologen untersucht, wie sich der Anbau nachwachsender Rohstoffe auf Feldvogelgemeinschaften auswirkt und wie sich die daraus eventuell erwachsenden negativen Einflüsse minimieren oder sogar ins Positive drehen lassen.
Sprecher der Projektsäule „Grünland und Weiden: Augenweiden in Hessen“ ist Gerd Bauschmann von der Staatlichen Vogelschutzwarte, gleichzeitig auch Vorsitzender des Vereins „Weidewelt“, der sich mit naturschutzkonformer Landnutzung durch Beweidung auseinandersetzt. Die Projektsäule ist in drei Bausteine gegliedert: Baustein 1: Beratung von Weideverbundprojekten, Baustein 2: Informationssystem zu Weideverbundprojekten und Baustein 3: Mittelakquise für Weideverbund- und Tierzuchtprojekte
Bei einem ersten Erfahrungsaustausch „Weideprojekte in der Praxis“, an dem Landwirte, Behördenvertreter und Naturschützer teilnahmen, wurde festgestellt, dass noch großer Beratungsbedarf herrscht. Es wurde daher vereinbart, in der Wetterau unter dem Begriff „Weideverbund Wetterau“ einen „Runden Tisch Beweidung“ durchzuführen sowie eine GIS-basierte Karte mit Angaben zu bereits beweideten und aus naturschutzfachlicher Sicht beweidbaren Flächen sowie den realen und potenziellen Beweidern zu erstellen. Im Kellerwald werden die Träger des Großschutzgebiets-Projektes zur Etablierung einer „Arche-Region“ beraten.
Die Website „Weideprojekte in Hessen“ (www.weideprojekte-hessen.de) ist die Basis für ein Informationssystem zu Weideverbundprojekten. Den Nutzern werden u.a. detaillierte Informationen über eine Vielzahl von Weideprojekten in Hessen und differenzierte Beratung angeboten.
Eine Machbarkeitsstudie im „Grünlandprojekt Spessart“ zur Entwicklung relevanter Maßnahmen im Bereich des Arten- und Lebensraummanagements wurde erstellt. Sie stellt die Basis für ein EU-Fördervorhaben LIFE+ dar. In der Wetterau ist 2011 ebenfalls eine Machbarkeitsstudie für ein Förderprojekt „Weideverbund Wetterau“ in der Kulisse von EU-Vogelschutzgebiet, FFH-Gebieten, LSG und Überschwemmungsgebieten vorgesehen.
Ministerin Lucia Puttrich lobte auf dem Hessentag in Oberursel die Aktivitäten der Projektgruppe „Grünland und Weiden: Augenweiden in Hessen“ und insbesondere deren Initiativen zu den nachhaltigen Landwirtschafts- und Naturschutzprojekten „Grünlandprojekt Spessart“ und „Weideverbund Wetterau“. Wie sie sagte, leisten extensive Weidesysteme einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt auf allen Ebenen, also dem Erhalt von Landschaften und Lebensräumen, von Tier- und Pflanzenarten sowie der genetischen Vielfalt bei Nutztieren, insbesondere dem Erhalt alter Rassen.
Da großflächige, vielgestaltige Weidelandschaften zahllose Besucher anlocken und somit auch den Tourismus fördern, hat die Projektgruppe jetzt ein Poster „Augenweiden in Hessen“ sowie eine Postkarteserie herausgebracht, die dazu dienen sollen, nicht nur die Schönheit der Landschaften, sondern auch deren Funktionen zu präsentieren. Ministerin Puttrich stellte am Gemeinschaftsstand der Projektgruppe und der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen (GEH) die neuen Medien der Öffentlichkeit vor.
Spektakuläre Markierungsaktion bei Graugänsen in der Wetterau
Die erwachsenen Gänse und größeren Jungtiere wurden mit auffälligen, aber die Tiere nicht störenden Halsringen versehen, die kleinen Jungen mit Beinringen. Da die Halsringe mit einer dreistelligen schwarzen Zahlen-Buchstaben-Kombination auf gelbem Grund auch auf weitere Entfernung mit dem Fernglas gut abzulesen sind, bittet die Vogelschutzwarte nicht nur Naturschützer, sondern auch Spaziergänger, Landwirte und Jäger, in den nächsten Monaten und Jahren auf solche Markierungen zu achten und sie unter Nennung von Datum und Ortsangabe an die Vogelschutzwarte (g.bauschmann@vswffm.de) zu melden. So kann zukünftig festgestellt werden, ob die Tiere standorttreu sind, ob sie größere Ortsveränderungen innerhalb der Wetterau vornehmen oder ob sie sogar ganz abziehen
Aus diesem Grunde wurde 2010 ein Pilotprojekt "Rastvogelmanagement Wetterau" unter Beteiligung von Ministerium (HMUELV), Regierungspräsidium Darmstadt und Wetteraukreis gestartet. Parallel dazu wurde die Staatliche Vogelschutzwarte vom HMUELV beauftragt, die getroffenen Maßnahmen und deren Ergebnisse gutachterlich zu begleiten. Erste Ergebnisse liegen bereits vor.
Leider fehlen die Erkenntnisse, woher die Tiere kommen, die im Winter auf Raps- und Getreideäckern äsen. Stammen sie aus den Wetterauer VSG selbst oder ziehen unsere Vögel ab und werden durch Wintergäste ersetzt? Die Beantwortung dieser Frage ist enorm wichtig für die Maßnahmenplanung in den Natura 2000-Gebieten. Unter der Leitung von Gerd Bauschmann von der Staatlichen Vogelschutzwarte hat daher eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Prof. Dr. Hans-Heiner Bergmann von der AG Gänseökologie der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft, dem amtlichen Schutzgebietsbetreuer Josef Tiefenbach (Hessen-Forst, Forstamt Nidda), den ehrenamtlichen Naturschützern Udo Seum (HGON und NABU) und Stefan Stübing (HGON) sowie dem Leiter der Beringungszentrale der Vogelwarte Helgoland, Olaf Geiter, den Plan entwickelt, einen Teil der "Wetterauer Grauganspopulation" zu beringen und farblich zu markieren.
Mit Zustimmung des Hessischen Umweltministeriums (HMUELV) und der Oberen Naturschutzbehörde beim RP Darmstadt wurden daher kürzlich im Bingenheimer Ried zwischen Bingenheim, Heuchelheim und Gettenau sowie am Teufelssee bei Weckesheim Gänse gefangen und beringt.
Dr. Susanne Homma und Olaf Geiter aus Ostfriesland leiteten die Aktion gemeinsam mit Gerd Bauschmann von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Vor Ort wurden sie von über 30 Helfern aus HGON und NABU unterstützt. Auch der Jagdpächter mit seiner Frau war mit von der Partie. Weitere erfahrene Helfer kamen aus Nordrhein-Westfalen.
Da die Gänse nur gefangen werden können, wenn die Jungen noch nicht flugfähig sind und die Altvögel ihr Großgefieder mausern, also ebenso zu Fuß unterwegs sind, wurde am Randes des "Bingenheimer Rieds" mit einem Zaun eine Art Reuse gebildet, an dessen Ende sich der Fangkorb befindet. Mit einer langen Treiberkette wurden dann die Gänse langsam in die Fanganlage getrieben. Insgesamt 72 Grau- und eine Nilgans konnten so gefangen und beringt werden.

